Argentinien – ein Land, welches immer wieder pleite geht

 

Am Sonntag, 22. Oktober 2023 wurde in Argentinien gewählt.

 

Warum geht es Argentinien so schlecht und gibt es einen Lösungsweg von einen der vier Kandidaten?

 

Argentinien ist ein Land, das wie kein anderes Land auf der Welt abstürzte. Es steigt aus der Spitzengruppe der Weltwirtschaft in eine Talfahrt nach ganz weit unten ab und wird zu einem Schwellenland.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts geht es Argentinien prächtig, die Wirtschaft wächst jährlich um fünf Prozent, das Land hat weltweit das höchste Pro-Kopf-Einkommen. Mit den unendlichen Rohstoffen und Bodenschätze wie Wasser, Gas und Öl verdient Argentinien ein Vermögen; Argentinien, welches alle Klimazonen beherbergt, gilt als Getreidekammer mit idealen Bedingungen für die Landwirtschaft. Fleisch, Getreide und Leder wird ins damals krisengeschüttelte Europa ausgeführt. Die argentinische Metropole Buenos Aires war nach dem zweiten Weltkrieg das Tor für Einwanderer aus Europa. Ein gelobtes Land, welches Wohlstand verspricht. Argentinien ist das wohlhabendste Land in Südamerika, noch vor Brasilien.

Heute kaum vorstellbar – der Pesos war Ende des zweiten Weltkrieges neben dem Dollar und dem Pfund die stärkste Weltwährung.

 

Für die Misere der nächsten Jahrzehnte legt Domingo Perón den Grundstein; er wird 1946 zum Präsidenten Argentiniens gewählt. Das „Perónische Grundprinzip“, welches bisher alle weiteren Präsidenten kopiert haben, heisst über seine Verhältnisse leben und mehr ausgeben als einnehmen, Schulden machen, Geld drucken und die Inflation vor sich hingaloppieren lassen. Bis 1955 wird die Anzahl der Staatsangestellten verdoppelt, es werden angebliche soziale Wohltaten getätigt, für die bis heute Peróns Frau Evita verehrt wird, die aber nie gegenfinanziert wurden. Die Korruption beginnt sich in der Gesellschaft zu verankern.

1967 betragen die Auslandsschulden Argentiniens erst Acht Milliarden US-Dollar, doch dann steigt die Verschuldung massiv an; verantwortlich dafür zum einen die Militärdiktatur von 1976 bis 1983 und der Falklandkrieg, den Argentinien 1982 verliert. Hyperinflation wird in Argentinien zum neuen Zauberwort, welches bis heute anhält.

1992 bis 1999 steigen die Staatsausgaben um 50%. 2001 sind die Staatsschulden auf 160 Milliarden US-Dollar angewachsen, der Staatsbankrott folgt im Dezember 2001. Seitdem hat sich Argentinien nie mehr erholt.

Wie soll es mit einem Land weitergehen, welches bisher regiert wurde von Präsidenten, die die Korruption weiterlaufen lassen, einem Volk, welches noch nicht begriffen hat, dass der Staat nicht nur eine Melkkuh ist, sondern dem man auch etwas schuldig ist. Und Argentinien hat alle Voraussetzungen für Wachstum und Wohlstand.

 

Am Sonntag wurde nun gewählt und es gab eine Überraschung, denn Sergio Massa, linksperonistisch, kam mit 36% auf den ersten Platz und tritt am 16. November gegen den rechts-libertären Javier Milei (30%) an.

Die Inflation liegt bei 138%; 40% der Menschen leben unter der Armutsgrenze.

 

Milei betritt die These „Markt statt Staat“, möchte den Peso abschaffen und den Dollar als Landeswährung, die Zahl der Regierungsangestellten auf ein Minimum reduzieren. Ist dies der ersehnte Ausweg? Milei hat sich selber ein Bein gestellt, indem er den Papst als „Dummkopf“ bezeichnete, bei einem Volk, welches ¾ katholisch ist und Papst Franziskus aus Argentinien kommt!

 

Oder Massa? Der Jurist gilt als bestens vernetzt, er ist Wirtschaftsminister von Argentinien; Gegner behaupten, er sei für die katastrophale wirtschaftliche Lage verantwortlich, viele Wähler glauben jedoch an sein Programm und glauben daran, dass es Massa schafft, sein Programm erfolgsversprechend durchzusetzen.

 

Es bleibt spannend – am 19. November sind Stichwahlen. Es wäre dem argentinischen Volk zu gönnen, den Weg raus aus dieser wirtschaftlichen Misere zu finden.

 

Es macht für uns allerdings den Eindruck, dass das Volk gelernt hat, mit dieser Misere zu leben. Am Freitag und Samstag bildeten sich endlose Schlangen vor den Tankstellen und es wurde mit einer nichts zu übertreffenden Geduld angestanden; Pesos bekam man nur noch bei WesternUnion, auch dies wurde so hingenommen, wie der tägliche Stromausfall auf dem Land als Normalität hingenommen wird.

Doch das jeder zehnte Argentinier notleidet, kann nicht einfach so hingenommen werden.

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